Gattung Rhamphus Clairville

CurculionidaeRhynchaeninae
Von Arved Lompe (n. G.A. Lohse u.a.)Literaturverzeichnis ⇒
Durch die an der Rüsselbasis entspringenden, nicht geknieten Fühler von Rhynchaenus unterschieden. Die 2 Basalglieder der Fühler vergrößert; Augen auf dem Kopf zusammenstoßend; Klauen bei unseren Arten ungezähnt. Schwarze Arten von 1,2-2 mm. Die Käfer entwickeln sich in Blattminen, in denen sich auch die Larve verpuppt. Bei uns auf Weiden-, Birken- und Rosengewächsen.
Für die mitteleuropäischen Arten siehe >>>Rhamphus_ME
#1
→ 1aZwischenräume der Flügeldecken nur flach gewölbt. Schwarz, meist glänzend und teilweise mit Metallschimmer. Größer: 1,2-2 mm. An Weiden-, Birken- und Rosengewächsen (Salicaceae, Betulaceae oder Rosaceae).
kiesenwetteri Tournier, 1873🗺Coleoweb-Zwischenräume der Flügeldecken leicht aber deutlich kielig erhaben. Schwarz, matt und ohne Metallschimmer. Aedoeagus in Seitenansicht flach, nur um etwa 110° gebogen [Abb. 1]. Kleiner: 1-1,2 mm. B: An Acacia-Arten. D: Afrikanische Art, angeblich auch auf Sizilien (der Typenfundort von dort ist wohl nicht korrekt).
rhamphus_kiesenwetteri.jpg
Abb. 1
#1a
hisamatsui Chûjô & Morimoto, 1960🗺ColeowebOberseite mit deutlichen, haarartigen Schuppen, die auf dem Halsschild anliegen und auf den Flügeldecken fast anliegen. Klauen mit Anhängseln. Aedoeagus [Abb. 2]. 1,4-1,6 mm [Abb. 3]. B: Auf Ahorn-Arten (·Sapindaceae·) und Birken (·Betulaceae·). D: Ferner Osten.
rhamphus_hisamatsui.jpg
Abb. 2
rhamphus_hisamatsui_hab.jpg
Abb. 3
→ 1b-Oberseite ohne oder zumindest mit anliegenden, undeutlichen, sehr kurzen Schuppenhaaren. Klauen ohne Anhängsel.
#1b
loebli Germann & ColonnelliVorder- und Mittelschienen mit langem und dünnem Zahn am Außenwinkel, der die Schienenspitze weit überragt. Hinterschenkel sehr groß. Die Spitzenränder der Hinterschienen mit auffälligen kurzen, kräftigen, schwarzen Dornen und nur wenige, helle, lange Stacheln. Aedoeagus [Abb. 4]. 1,4-1,8 mm. B: Auf ·Halimium· (Cistaceae) D: Portugal, Spanien.
rhamphus_loebli.jpg
Abb. 4
-Vorder- und Mittelschienen mit kürzerem Zahn, der kaum über die Schienenspitze hinausragt. Hinterschenkel kleiner. Die Spitzenränder der Hinterschienen hauptsächlich mit langen, steifen und dichten, aufrechten, hellen Stacheln besetzt; schwarze Dornen sind recht unauffällig und nur im Bereich der Spitze vorhanden. ...2
#2
→ 3Flügeldecken und Halsschild matt mit deutlicher Mikroskulptur.
→ 4-Zumindest die Flügeldecken trotz Mikroskulptur glänzend.
#3
subaeneus Illiger, 1807🗺ColeowebPunkte in den Flügeldeckenstreifen einander stark genähert und teilweise zusammenfließend. Schwarz, deutlich bronze- oder grünmetallisch schimmernd. Basalglied der Fühler schwarz, die Geißel hell braunrot. Halsschild zu den Seiten sehr dicht, fast verrunzelt punktiert, matt. Penis kürzer, mit in Dorsalansicht nahezu parallelen Seiten [Abb. 5]. 1,5-1,9 mm. B: Auf Crataegus (Weißdorn). D: Südeuropa sowie in Wärmegebieten des mittleren und südlichen Mitteleuropa;.
rhamphus_subaeneus.jpg
Abb. 5
cerdanicus Tempère, 1982🗺Coleoweb-Punkte in den Flügeldeckenstreifen genähert aber nicht zusammenfließend. Schwarz, ohne Metallschimmer. Halsschild doppelt so breit wie lang. Die Halsschildpunktur flach, undeutlich gegen die stark chagrinierten Zwischenräume abgegrenzt. Basalglied der Fühler dunkel. Penis schlank und länger, in Dorsalansicht von der Basis zur Spitze deutlich allmählich verjüngt, wobei die Spitze durch eine dünne Membranlinie abgegrenzt ist; in Seitenansicht etwa rechtwinkelig gebogen [Abb. 6] [Abb. 7]. 1,3-1,4 mm. B: An ·Prunus spinosa· (Schlehe). D: Zentral- und Ostpyrenäen.
rhamphus_cerdanicus.jpg
Abb. 6
rhamphus_cerdanicus-1.jpg
Abb. 7
#4
→ 5Basalglied der Fühler rundoval, viel kürzer als das 2., dunkler als die Geißelglieder [Abb. 8] [Abb. 9] [Abb. 10]. Die Punktur des Halsschilds dichter und unrelmäßiger. Mikroskulptur des Halsschilds zwischen den Punkten konfus. Vorder- und Mittelschienen besitzen einen deutlich kleineren Zahn [Abb. 11]. Penis in Seitenansicht zumindest an der Basis stark gebogen.
rhamphus_monzinii_f.gif
Abb. 8
rhamphus_oxyacanthae_f.gif
Abb. 9
rhamphus_oxyacanthae_ck15497_f.jpg
Abb. 10
rhamphus_oxyacanthae_ck15497_mschn.jpg
Abb. 11
→ 4a-Basalglied der Fühler zylindrisch, etwa so lang wie das 2., hellgelb wie die Geißelglieder [Abb. 12] [Abb. 13]. Die Punktur des Halsschilds weniger dicht, die Punkte größer und regelmäßiger verteilt. Vorder- und Mittelschienen besitzen einen deutlich robusteren Zahn [Abb. 14]. Der Penis ist in Seitenansicht nur im basalen Bereich gekrümmt und verläuft dann fast gerade zur Spitze hin.
rhamphus_pulicarius_f.gif
Abb. 12
rhamphus_pulicarius_k.jpg
Abb. 13
rhamphus_pulicarius_m_ck15491_mschn.jpg
Abb. 14
#4a
pulicarius Herbst, 1795Fundmeldungen🗺ColeowebBasalglied der Fühler doppelt so lang wie breit, etwas länger oder so lang wie das 2. [Abb. 13]. Stirn gerundet spitzwinkelig. Mikroskulptur des Halsschilds zwischen den Punkten mit regelmäßigen Maschen. Halsschild wenig hinter der Mitte am breitesten, seine Seiten kräftig gerundet und zur Basis stärker verengt. Flügeldecken nach hinten etwas stärker erweitert [Abb. 15] und ihr Seitenrand in der Mitte breiter abgesetzt, fast über die ganze Länge der Flügeldecken sichtbar. Penis in Seitenansicht nur an der untersten Basis stärker gebogen, nach vorne zur Spitze nur leicht gebogen, in Dorsalansicht von der Basis zur Spitze verengt [Abb. 16] [Abb. 17] [Abb. 18]. 1,2-2 mm. B: Käfer besonders im V-VI an Salix sp., aber auch vom Gagelstrauch (Myrica) gemeldet; es wäre zu prüfen, ob es sich um die gleiche Art handelt. Die in den Blattminen überwinternden Larven verpuppen sich im Frühjahr. D: In Europa weit verbreitet.
rhamphus_pulicarius_k.jpg
Abb. 13
rhamphus_pulicarius_hab.jpg
Abb. 15
rhamphus_pulicarius1.gif
Abb. 16
rhamphus_pulicarius1.jpg
Abb. 17
rhamphus_pulicarius..jpg
Abb. 18
→ 4b-Basalglied der Fühler nur 1,5 x länger als breit.
#4b
crypticus Toševski & Caldara, 2025Basalglied der Fühler etwas kürzer als das erste Geißelglied, welches wiederum 1,5 x länger als breit ist; Fühler manchmal fast vollständig dunkel. Penis lang, mit parallelen Seiten [Abb. 19]. 1,5-2 mm. B: Auf Salix-Arten. D: Großbritannien, Frankreich und Spanien.
rhamphus_crypticus.jpg
Abb. 19
→ 4c-Basalglied der Fühler so lang wie oder etwas länger als das erste Geißelglied. Auf Birken (Betula) lebende Arten.
#4c
betulae Toševski & Caldara, 2025Basalglied der Fühler so lang wie das erste Geißelglied, welches wiederum 1,3 x länger als breit ist. Der Penis ist kurz und konvergent von der Basis zur Spitze [Abb. 20]. 1,5-2 mm. B: Auf Betula-Arten. D: Italien, Frankreich und Polen; auch bei uns zu erwarten.
rhamphus_betulae.jpg
Abb. 20
pullus Hustache-Basalglied der Fühler 1,5 x länger als breit, etwas länger oder so lang wie das erste Geißelglied, welches wiederum 1,5 x länger als breit ist. Penis lang, mit parallelen Seiten [Abb. 21]. 1,5-2 mm. B: Auf Betula-Arten. D: Japan.
rhamphus_pullus.jpg
Abb. 21
#5
→ 6Vorder- und Mittelschienen mit dünnerem Zahn (Abb. 8C). Erstes Glied der Fühlergeißel 1,7-1,8-mal länger als breit, kurzoval, in der Mitte am breitesten. Penis in Dorsalansicht sehr kräftig, mit stark über den dorsalen Bereich ausgedehntem sklerotisiertem Abschnitt; in Lateralansicht verjüngt er sich erst im distalen Drittel gleichmäßig zur Spitze hin. Auf Prunus spinosa und Prunus cerasifera (Rosaceae). monzinii-Gruppe.
→ 7-Vorder- und Mittelschienen mit robusterem Zahn (Abb. 8A). Erstes Glied der Fühlergeißel 2-2,2-mal länger als breit, subkonisch, die folgenden zur Spitze hin allmählich größer werdend. Penis in Dorsalansicht mäßig kräftig, sein sklerotisierter Abschnitt nicht oder nur sehr geringfügig dorsal ausgedehnt, und in Lateralansicht verjüngt er sich erst ab der distalen Hälfte allmählich zur Spitze hin. Auf Rosengewächsen.
#6
→ 6aFlügeldecken mit gedrungener, elliptischer Form.
ibericus Toševski & Caldara, 2025-Flügeldecken schmal (Länge /Breite 1,30-1,35), mit nur leicht gerundeten Seiten. Zweites Geißelglied 1,9-2,1 x länger als breit. Penis mit parallelen Seiten, im apikalen Drittel nicht verdickt [Abb. 22]. 1,4-1,6 mm. B: Auf Rosengewächsen. D: Nordspanien.
rhamphus_ibericus_orig.jpg
Abb. 22
#6a
monzinii Pesarini & Diotti, 2012FundmeldungenZweites Geißelglied 1,8-2 x länger als breit. Flügeldecken kürzer, gedrungener (Länge/Breite 1,25-1,3). Die größte Halsschildbreite kurz vor der Basis, dorthin undeutlich verengt. Pesarini & Diotti (l.c.): Penis in Dorsalansicht gedrungener, die sklerotisierten Seitenteile weit über fast den ganzen Dorsalbereich reichend, In Seitenansicht von der Basis zur Spitze gleichmäßig gebogen, im letzten Drittel zugespitzt verengt [Abb. 23]. Tosevski et al. (l.c.): Penis mit leicht divergierenden Seiten in der apikalen Hälfte, in Seitenansicht mit kürzerer Spitze [Abb. 24]*). 1,2-1,5 mm. B: Die Typusserie wurde an Weiden und Birken gefunden (Pesarini & Diotti (l.c.); spätere Funde nur noch an Rosaceen (Diotti et al. (2021), Tosevski et al. (l.c.). D: Italien (aus dem Val de Susa im Piemont beschrieben), Serbien und Griechenland.
rhamphus_monzinii.gif
Abb. 23
rhamphus_monzinii.jpg
Abb. 24
diottii Toševski & Caldara, 2025-Zweites Geißelglied 2-2,2-mal länger als breit, mit elliptischer Flügeldeckenform (Länge/Breite 1,20-1,25). Penis mit leicht konvergierenden Seiten von der Basis an, in Seitenansicht mit längerer Spitze [Abb. 25]. 1,4-1,7 mm. B: Auf Rosengewächsen. D: Serbien.
rhamphus_diottii.jpg
Abb. 25
#7
→ 8Penis in Dorsalansicht mit sich von der Basis zur Spitze leicht verjüngenden Seiten [Abb. 26]. Vergesellschaftet mit verschiedenen Gattungen der Rosaceae (Crataegus, Pyrus, Mespilus und Prunus), oxyacanthae-Gruppe; 3 Arten, die mit Sicherheit wohl nur molekulargenetisch unterschieden werden können, allerdings scheinen sie nicht gemeinsam vorzukommen.
rhamphus_hampsicora.jpg
Abb. 26
→ 9-Penis in Dorsalansicht mit parallelen Seiten (Abb. 2G,H). Auf Crataegus. cypricus-Gruppe (zwei Arten).
#8
hampsicora Diotti, Caldara & Toševski(Abbildung 2B). Halsschild deutlich konisch (Breite/Länge 1,75-1,85). Erstes Tarsenglied 2,2-2,5-mal länger als breit, zweites Tarsomer 1,2-1,4-mal länger als breit. Penis in Dorsalansicht mit leicht gebogenen Seiten, die sich von der Basis zur Spitze mäßig verjüngen [Abb. 26]. 1,5-2 mm. B: Auf Crataegus. D: Sardinien.
rhamphus_hampsicora.jpg
Abb. 26
→ 8a-Halsschild mäßig konisch (Breite/Länge 1,60-1,70).
#8a
oxyacanthae Marsham, 1802Fundmeldungen🗺ColeowebErstes Tarsenglied 2,2-2,5-mal länger als breit, zweites Tarsenglied 1,2-1,4-mal länger als breit. Flügeldecken schlanker (Länge/Breite ~ 1,32-1,43). Größte Halsschildbreite im Basisdrittel, von dort zur Basis deutlich verengt. Dem pulicarius äußerst ähnlich; etwas schwächer glänzend, Halsschild näher zur Basis am breitesten und nach hinten schwächer verengt, Flügeldecken weniger erweitert und schmäler abgesetzt. Auch das letzte Fühlergeißelglied hell, aber das 1. Fühlerglied braun bis schwarz. Der schmale Seitenrand der höher gewölbten Flügeldecken ist bei Sicht von oben nur von der Mitte bis zur Spitze zu erkennen. Klauen kürzer und weniger kräftig als bei pulicarius. Penis in Dorsalansicht etwas schlanker, von der Basis bis zur Spitze nahezu gleich breit, mit geradlinigen Seiten, die sich von der Basis zur Spitze leicht verjüngen; die sklerotisierten Seitenteile kaum auf die Dorsalseite reichend, in Seitenansicht etwa von der Hälfte an gerade zur Spitze verengt [Abb. 27] [Abb. 28]. 1,3-1,7 mm. B: An baumartigen Rosaceen (Crataegus, Sorbus, Obstbäume). D: Wahrscheinlich ganz Europa; durchaus nicht selten. Bei uns überall zu erwarten aber vielfach nicht berücksichtigt.
rhamphus_oxyacanthae1.gif
Abb. 27
rhamphus_oxyacanthae-1.jpg
Abb. 28
bavierai Diotti, Caldara & Toševski-Erstes Tarsenglied 3-3,3-mal länger als breit, zweites Tarsenglied 1,6-1,8-mal länger als breit. Penis in Dorsalansicht mit geradlinigen Seiten, die sich von der Basis zur Spitze leicht verjüngen [Abb. 29]. 1,4-1,9 mm. B: Auf Crataegus. D: Sizilien.
rhamphus_bavierai.jpg
Abb. 29
#9
cypricus Toševski & Caldara, 2025Halsschild mäßig konisch (Breite/Länge 1,50-1,55). Erstes Tarsenglied 2,7-2,9-mal länger als breit, zweites Tarsenglied 1,1-1,3-mal länger als breit. Aedoeagus [Abb. 19]. 1,4-1,7 mm. B: Auf Crataegus. D: Zypern.
rhamphus_crypticus.jpg
Abb. 19
macedonicus Toševski & Caldara, 2025-(Abb. 2H) Halsschild deutlich konisch (Breite/Länge 1,45-1,50). Erstes Tarsenglied 2,8-3,1-mal länger als breit, zweites Tarsenglied 1,1-1,3-mal länger als breit. Aedoeagus [Abb. 30]. 1,2-1,5 mm. B: Auf Crataegus. D: Griechenland.
rhamphus_macedonicus.jpg
Abb. 30
Enthaltene Taxabavierai betulae cerdanicus crypticuscypricus diottii hampsicora hisamatsui ibericus kiesenwetteri loebli macedonicus monzinii oxyacanthae pulicarius pullussubaeneus
Literaturverzeichnis
Stüben, P & al. (2009): Digital-Weevil-Determination der westpaläartischen Curculionoidea: Isochnus / Orchestes / Pseudorchestes / Rhamphus / Rhynchaenus / Tachyerges (Curculioninae: Rhamphini) - Snudebiller 10, No. 120 >>>"https://www.curci.de/?beitrag=120"
Pesarini, C. & Diotti, L. (2012): Rhamphus monzinii, nuova specie del Piemonte (Coleoptera Curculionidae) - Atti Soc.ital.Sci.nat.Museo civ.Stor.Nat.Milano, 153(1):111-117 >>>"F:\taxa\coleo\scans\Pesarini&Diotti2012 Rhamphus_monzinii.pdf"
Tosevski, I. et. al. (2025): An Integrative Revision of the Genus Rhamphus (Curculionidae) from theWestern Palearctic: Morphological and Molecular Data Reveal the Radiation of Multiple Species - Insects 16(1123):1-36 >>>https://doi.org/10.3390/insects16111123 oder >>>"F:\TAXA\coleo\Scans\Tosevski_et_al_2025 Rhamphus.pdf"
Erstellt am: 14.08.2010 · Letzte Aktualisierung: 24.11.2025 - 02:29:40
Creative Commons LizenzvertragKäfer Europas herausgegeben von Arved Lompe sind lizenziert unter den Bedingungen der Creative Commons International 4.0 Lizenz BY-SA (Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen)