Gattung Latridius (Enicmus sensu Peez in FHL)

ColeopteraClavicorniaLatridiidae
Von Arved Lompe (n. A. v.Peez, W. Rücker)
Halsschild ohne deutliche Längskiele auf der Scheibe (manchmal sind Rudimente von solchen auf der Hinterhälfte vorhanden), jedoch oft mit einer Längsfurche, die in 2 Grübchen aufgelöst sein kann, oder mit einem Quereindruck hinter der Mitte. Flügeldeckenzwischenräume entweder völlig ungekielt oder nur der 7. Zwischenraum kielfärmig erhaben. Die Latridius-Arten scheinen sich von Pilzen, meist niederen Pilzen, zu ernähren und kommen überall dort oft in Massen vor, wo tote Pflanzensubstanz von Pilzen befallen ist.
Bei manchen Arten ist die Untersuchung des 7. Tergites erforderlich. Das 7. Tergit ist nicht sichtbar, man muß den Hinterleib der Tiere abtrennen und die letzten 2 verborgenen Segmente und den Penis mit einer feinen Nadel von oben her herauslösen.
#1
hirtus (Gyll., 1827)Fundmeldungen🗺ColeowebFlügeldecken mit Reihen aufrechtstehender Haarbörstchen [Abb. 1]. Halsschild beiderseits der Mittelfurche und neben den Seitenrand mit Wülsten, die mit niederliegenden Haarborsten besetzt sind. Schwarz, 1,6-2,2 mm. B: An Baumschwämmen, unter losen Rinden, an Schleimpilzen oder deren Mycel, an anbrüchigen Stellen von Laubbäumen und Koniferen. D: Im Osten in der Ebene und dem Vorgebirge stellenweise nicht besonders selten, im Westen nur sehr sporadisch und bis in die Alpenländer selten.
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Abb. 1
→ 2-Flügeldecken ohne Borsten oder längere Haare, glatt.
#2
→ 3Halsschild von der Mitte nach vorn erweitert oder stark quer oder +/- parallelseitig, dann aber die Schläfen nur so lang wie ein Viertel des von oben sichtbaren Längsdurchmessers der Augen und 1. Sternit deutlich punktiert.
Enicmus C. G. Thomson, 1859-Halsschild wenig quer, die Seiten von der Mitte nach vorn deutlich verengt [Abb. 2]. Schläfen reichlich so lang wie der halbe Augendurchmesser, 1. Sternit unpunktiert, jedoch meist mit feinen Längsstricheln. Siehe Gattung
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Abb. 2
#3
→ 4Halsschildvorderecken Ìappenförmig vorgezogen [Abb. 3].
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Abb. 3
→ 6-Halsschildvorderecken einfach verrundet oder schwach, aber nicht lappenförmig gerundet vorgezogen, oder Halsschild sehr stark quer [Abb. 4].
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Abb. 4
#4
→ 4aFlügeldecken lang oval, am Apex einzeln verrundet, fast kahnförmig vorgezogen. Große Arten, 1,8-2,5 mm
→ 5-Flügeldecken nicht nach hinten vorgezogen, Punktstreifen kräftig, 7. Flügeldeckenzwischenraum sehr deutlich gekielt. Die in diese Gruppe gehörenden Arten sind mit Sicherheit nur durch Genitaluntersuchung zu trennen.
#4a
kolbei (Wanka)Halsschildvorderecken sehr lang lappenförmig vorgezogen. Kopf und Halsschild nicht rugulos punktiert, Flügeldecken mit feinen Punktstreifen, schwach gekieltem 7. Zwischenraum, im hinteren Drittel neben der Naht breit und flach eingedrückt. Einfarbig rostrot, fein chagriniert, matt. 2,5 mm. B: In schimmeligem Heu; montane Art. D: Nur im Osten und Südwesten (Schweiz).
nidicola (Palm, 1944)🗺Coleoweb-7. Tergit der ♂ rund, Penis groß, breit und an der Spitze mit einem abgesetzten rundlichen Vorsprung [Abb. 5]. Farbe meist hell, rotbraun, rostrot oder gelbbraun. Länge 1,8-2,3 mm. B: Meist in Nestern von Eichhörnchen und größeren Vögeln, aber auch in Heuabfällen in Scheunen und Heuschobern. D: Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Deutschland, Schweiz und Spanien.
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Abb. 5
#5
Die Arten der minutus-Gruppe werden hier einander gegenübergestellt, da sie sich nicht befriedigend dichotomisch trennen lassen.
anthracinus (Mannh., 1844)🗺Coleoweb-Innerhalb dieser Gruppe durch kurze und gedrungene Gestalt zu erkennen. Flügeldecken auffallend breit und kurz, die Zwischenräume etwas stärker erhaben als bei L. minutus. Überwiegend bräunlich bis schwarze Tiere. Das 7. Tergit der ♂ konkav ausgerandet, wobei die Ausrandung in der Mitte gerade ist und die Hinterecken zipfelig abgesetzt sind. Der kleine Penis breit und gleichmäßig zugespitzt [Abb. 6]. Länge 1,2-2 mm. B: Meist in offenen Feldscheunen, aber auch im Freien an Heu- und Strohabfällen. In Wildfütterungen ebenfalls häufig. D: In Europa weit verbreitet und gebietsweise häufig, in manchen Gebieten selten oder ganz fehlend.
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Abb. 6
minutus (L., 1767)Fundmeldungen🗺Coleoweb-Körper gestreckter, lang oval, aber sehr variabel in der Größe, meist schwarzbraune bis pechschwarze Individuen [Abb. 7]. Das 7. Tergit der ♂ nur ganz leicht konkav ausgerandet, Hinterecken nicht zipfelig vorgezogen. Der kleine Penis ist an der Spitze etwas asymmetrisch, schlank und scharf zugespitzt [Abb. 8] [Abb. 9]. Länge 1,2-2,4 mm. D: Über ganz Europa verbreitet, eine der häufigsten Arten.
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Abb. 7
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Abb. 8
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Abb. 9
pseudominutus (Strand, 1958)🗺Coleoweb-Äußerlich von minutus (L.) nicht zu unterscheiden, das 7. Tergit der ♂ in flachem Bogen abgerundet, Penis groß und breit, an der Spitze weniger scharf zugespitzt [Abb. 10]. Länge 1,8-2,1 mm. D: Nordeuropa; Slowakei; Lenartov, Skrad, Jugoslawien: Kroatien, Tismana (Südkarpaten); Frankreich, Italien, Portugal, Libanon; Deutschland: Bayern, Sachsen und bei Hamburg.
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Abb. 10
latissimus Rücker🗺Coleoweb-Auffallend breite Art, Flügeldecken hinten breit gerundet, Farbe dunkelbraun. 7. Tergit der ♂ flach abgerundet, Penis schlank und mit gleichmäßiger, langer, scharfer Spitze [Abb. 11]. Länge 2,07 mm. D: Frankreich: Dept. Alpes Mte., Prov. Col de Toutes Aures.
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Abb. 11
creticus Rücker🗺Coleoweb-Nahe mit nidicola (Palm) verwandt, aber die Flügeldecken hinten nicht kahnförmig ausgezogen. 7. Tergit der ♂ etwas rund, Penis mit langer, stumpfer, vorgezogener Spitze [Abb. 12]. Länge 2,26 mm. Farbe braun bis dunkelbraun. D: Griechenland, Kreta und Frankreich.
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Abb. 12
alius (Weise)🗺Coleoweb-Ähnlich dem minutus (L.), Flügeldeckenseitenrand mehr parallel, die ungeraden Zwischenräume stärker erhaben, dunkelbraun, Halsschild meist etwas heller, 7. Tergit der ♂ tief dreieckig ausgeschnitten; Penis schlank mit kurzer, breiter Spitze, asymmetrisch [Abb. 13]. Länge 1,7-1,9 mm. B: An Staubpilzen aus Scheunengesiebe. D: Österreich: Illmitz/Neusiedlersee.
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Abb. 13
canariensis (Palm, 1972)Fundmeldungen🗺Coleoweb-Habitus [Abb. 14]. Art der Kanarischen Inseln.
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Abb. 14
#6
consimilis (Mannh., 1844)Fundmeldungen🗺ColeowebHalsschild parallelseitig oder nach hinten schwach verengt, wenig (½) breiter als lang [Abb. 4]. 7. Flügeldeckenzwischenraum in der Vorderhälfte deutlich gekielt. 1. bis 3. Sternit deutlich punktiert. Flügeldecken lang oval mit starken Punktstreifen. Schwarz bis schwarzbraun, Fühler und Beine heller. 2,2 mm. Von den Arten der minutus-Gruppe, mit denen diese Art durch den gekielten 7. Flügeldeckenzwischenraum und auch durch die Halsschildbildung eine gewisse Ähnlichkeit hat, durch schlanke Gestalt und das punktierte 2. und 3. Sternit zu unterscheiden. B: An Baumschwämmen und im Mulm alter Buchen und Eichen, jedoch auch synanthrop in Speichern und Scheunen. D: Besonders im östlichen Mitteleuropa und im Alpengebiet, hier jedoch überall selten oder sehr selten, im Westen gebietsweise fehlend.
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Abb. 4
→ 7-Halsschild entweder stark quer oder deutlich nach hinten verengt. Alle Sternite unpunktiert, das 1. höchstens mit feinen Längsrunzeln. Flügeldeckenstreifen aus feinen oder sehr feinen Punkten gebildet.
#7
brevicollis (Thoms., 1868)🗺ColeowebFlügeldecken sehr kurz oval, breit und eiförmig. Vorderbrustfortsatz vertieft. Halsschild stark quer, vor der Mitte am breitesten, ± rechteckig, mit verrundeten Vorder und Hinterwinkel Ungerade Flügeldeckenzwischenräume wenig stärker gewölbt als die geraden. Oberseite matt; schwarz, dunkelbraun oder rostrot. Fühler und Beine rot. 2.5-2.7 mm. D: Nur im Nordosten, äußerst selten.
-Alle Flügeldeckenzwischenräume flach, Flügeldecken gestreckter oval, andernfalls Halsschild zur Basis ausgeschweift verengt. Vorderbrustfortsatz im Niveau der Vorderhüften gelegen. Siehe Gattung ...Enicmus C. G. Thomson, 1859
Enthaltene Taxaalius anthracinus brevicollis canariensis consimilis creticus Enicmushirtus kolbei latissimus minutus nidicola pseudominutus
Erstellt am: 15.05.2010 · Letzte Aktualisierung: 02.06.2025 - 11:30:04
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